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Zum letzten Mal studiert er alte Pläne: Rudi Schneider

   Ein alter Fahrensmann ist abgetreten

Text und Foto: Johannes Vielhaber

Niemand in der Geschichte der Pfarrgemeinde Heilige Familie Oeventrop ist so lange Mitglied im Kirchenvorstand gewesen wie Rudolf („Rudi“) Schneider. 37 Jahre lang gehörte er ohne Unterbrechung diesem Gremium an. Zur letzten KV-Wahl am 18./19. November hat er nicht mehr kandidiert. „Die Arbeit habe ich gern gemacht, aber mit 72 ist es genug“, sagt er mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Rudi Schneider ist ein eindrucksvolles Vorbild für ehrenamtliche Arbeit im kirchlichen Raum schon seit einer Zeit, als man den heute oft arg strapazierten Begriff „ehrenamtlich“ noch gar nicht kannte. Das fing 1944 noch im Krieg als Messdiener an, der er bis über die Schulzeit hinaus blieb. Er gehörte der Jungschar an und wurde 1953 Gruppenführer und kurz darauf für einige Jahre Vorsitzender der KJG (Kath. Jungmänner-Gemeinschaft). Nach mehrjähriger beruflicher Tätigkeit und Weiterbildung in Düsseldorf trat der gelernte Maschinenschlosser 1966 in die KAB ein und wurde gleich Vertrauensmann. Das hieß monatlich die „Ketteler Wacht“ austragen und von Haus zu Haus die Vereinsbeiträge einsammeln. Er übte auch den Lektorendienst aus und war lange Jahre Mitglied der Choralschola „Sancta Familia“.

Durch die damals aufblühende KAB kam Rudi Schneider 1967 auf die Wahlliste zur KV-Wahl, wurde aber nicht gewählt. 1969 rückte er für den verstorbenen Otto Kappen nach und wurde 1970 als ordentliches Mitglied gewählt. Seine erste „Amtshandlung“ war damals ein Besuch bei der Orgelbaufirma Stockmann in Werl, da im Zuge der Kirchenrenovierung auch eine Renovierung der Orgel anstand.

Seitdem hat Rudi Schneider an fast 300 offiziellen KV-Sitzungen teilgenommen, ohne die „Guck-Mal-Eben-Termine“, die weitaus zahlreicher waren.
Seit 1994 war er auch 2. Vorsitzender des Kirchenvorstandes. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass er jeden Lichtschalter, jede Treppenstufe oder jeden Türgriff in allen zur Pfarrei gehörenden Gebäuden kennt. Hinter all dem steckte die Sorge: Wie kann man die Kirche und deren Einrichtungen gut erhalten? Als Höhepunkt seiner Tätigkeit sieht er heute die Mitwirkung bei der erfolgreichen Kirchenrenovierung 1992/93 an.

Rückblickend stellt er fest, dass heute – über Oeventrop hinaus – der Kirchenvorstand stärker in die örtliche Verwaltungsarbeit eingebunden ist, dass die Mitgestaltung und Entscheidungskraft größer sind als vor Jahrzehnten, als die Dominanz der Pastöre in diesem Gremium stärker war. Außerdem gibt es mehr Kontakte nach außen, z.B. zum Gemeindeverband nach Meschede.

Rudi Schneider meint jedoch, es müsse noch mehr von der im KV-Recht gegebenen Möglichkeit des geschäftsführenden Vorsitzenden Gebrauch gemacht werden, der eng mit dem Pfarrer als Vorsitzenden zusammenarbeitet und diesen von aufreibender Verwaltungsarbeit entlastet. Die so gewonnene Zeit könne dann statt für Etatvoranschläge, Ausbesserungen von Kirchentreppen oder Anbringung von Fluchtschildern in kirchlichen Gebäuden der Seelsorge, also der eigentlichen Aufgabe eines Priesters, dienen.

1964 hat Rudi Schneider seine Frau Doris geheiratet. „Sie hat diese Arbeit immer mitgetragen. Da ohne ginge auch nicht“, sagt er heute dankbar. Er war nie ein einfacher Jasager, hatte immer eigene Vorstellungen, begleitete Vorhaben kritisch und setzte sich dann auch mit aller Kraft für sie ein.

Die Pfarrgemeinde Heilige Familie ist ihm für seine jahrzehntelange, ehrenamtliche Arbeit zu Dank verpflichtet.

Vorstehender Bericht erscheint auch in der Novemberausgabe 2006 der Pfarrverbundszeitung "Brücke".

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